Sehr geehrte Gartenfreunde,
Gartenfreunde schauen im Winter nicht selten mit bangem Blick auf das Thermometer, wenn der Wetterbericht tiefe Temperaturen ankündigt. Befürchtet werden dann Schäden an den Blütenknospen und in selteneren Fällen gar am Holz.
Oft kann man die Meinung zu hören bekommen, dass niedrige Temperaturen die Schädlinge dezimieren müssten. Diese sind aber bestens an niedrige Temperaturen angepasst. Sie überdauern den normalen mitteleuropäischen Winter unbeschadet als Ei, Larve, Puppe oder adultes Tier im Boden, hinter der Rinde oder auch auf den Zweigen, manchmal in der Nähe von Knospen.
Erst bei Minusgraden, die uns gar nicht gefallen dürften (man denke an die Heizkosten!) sind Auswirkungen auf die Schädlinge zu erwarten. Dann sind aber auch schwerwiegende Schäden an den Obstgehölzen unausbleiblich, wie Starkfrostereignisse in der Vergangenheit gezeigt haben.
Mit der Abnahme der Tageslänge im Herbst kommt es zu tiefgreifenden Änderungen im Stoffwechsel der Gehölze, u.a. der Reduzierung der Photosynthese, der Verlagerung des Chlorophylls aus den Blättern in die Wurzeln und damit zur Blattfärbung und Blattfall, der Abnahme des Wassergehaltes des Zellsaftes.
Die Folge dieser Prozesse ist eine genetisch bedingte Frosthärte, die bis Mitte Dezember anhält. In diesem Zeitraum schädigen auch stärkere Fröste die Obstgehölze nicht. Die Frosthärte ist von Obstart zu Obstart und selbst zwischen den einzelnen Sorten unterschiedlich stark ausgeprägt und wird u.a. durch die Witterung im Herbst beeinflusst. Milde Witterung im November verzögert den Triebabschluss und wirkt sich nachteilig auf die Frosthärte aus. Milde Witterung nach dem Jahreswechsel setzt die Stoffwechselprozesse in Gang und erhöht die Gefahr von Schäden nach erneuten Frösten.
Der Apfel ist von allen Obstarten am wenigsten empfindlich gegenüber Frosteinwirkung. Bei Starkfrösten kann es zu Schäden an den Triebspitzen kommen, die Gefahr von Schäden am Holz nimmt in Richtung Stammbasis ab.
Birnen und Süßkirschen sind gegenüber Frösten stärker gefährdet. Pfirsich und Aprikose gehören in dieser Hinsicht zu den empfindlichsten Obstarten, ebenso die Walnuss.
Bei den Pflaumen wird die Frosthärte auch durch die Unterlage beeinflusst. Stachel-, Johannis- und Himbeeren gelten als relativ frosthart. Die dornlosen Brombeersorten sind relativ frostempfindlich.
Die Frosthärte wird auch durch die Wahl des Standortes und die Düngung beeinflusst. Der Gefahr von Frostrissen kann durch das so genannte Weißeln im Herbst vorgebeugt werden.
In Tallagen, vor Waldrändern oder Dämmen kann es zu Schäden an den Blüten und jungen Früchten kommen, wenn sich bei Spätfrösten die Kaltluft staut. Hier sind besonders Niederstämme gefährdet. Versuchsweise kann man den Auswirkungen der Spätfröste durch Abhängen der Gehölze oder einzelner Äste mit Noppenfolie entgegen wirken.
Erfurt-Mittelhausen, 09.02.2026
Bearbeiter: Dr. Schmatz
